„ Unsere Vergangenheit ist nicht dieselbe, unsere Zukunft jedoch schon“ Mit dieser Devise nahmen die Mitglieder des Vereins Süddialog e.V. ihre Arbeit auf. Die Vereinsmitglieder wollen Ihren Teil zum Frieden in der Gesellschaft beitragen und praktizieren ihn für ein harmonisches Nebeneinander in Toleranz im Alltag. Ihr Ziel ist es eine Plattform für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Glaubensrichtungen zu bilden. Eine Plattform der universellen Werte und Normen die alle Menschen gleichermaßen und als erstrebenswert anerkennen.
Das Abrahamitische Symposium-die jüngste Veranstaltung des erst vor einem Jahr offiziell gegründeten Vereins krönt vorerst alle bis heute von Süddialog durchgeführten Organisationen. Die hochkarätige Liste der Referenten bestätigt dies: Prof. Dr. Walter Homolka (Abraham Geiger Kolleg), Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel (Universität Tübingen), Cemal Usak (Stiftung der Journalisten und Schriftsteller Istanbul, Prof. Dr. Urs Baumann (Universität Tübingen), Prof. Dr. Walter Siebel (Universität Oldenburg), Prof. Dr. Reinhard Johler (Universität Tübingen), Prof. Dr. Jürgen Wertheimer (Universität Tübingen), Dr. Ercan Karakoyun (FID e.V. Berlin), Dr. Hans-Jörg Schmid (Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart), Dr. Michael Blume (Staatsministerium Baden-Württemberg), Dr. Irene Tröster. Sie alle kamen zusammen und verkündeten aus unterschiedlichen Perspektiven die erhabene Bedeutung von Toleranz und Frieden.
Das ganztägig angesetzte Symposium fand unter dem Motto „Abraham als Symbol der Gastfreundschaft und der Migration-Zuerst Gast, dann Migrant, wann Bürger?“ in der Universitätsstadt Tübingen statt. Bevor wir nun beginnen diese Veranstaltung in ihrer Bedeutung differenziert zu analysieren soll der interessierte Leser erfahren, wie wichtig solche Organisationen im Zeichen des Dialogs sind und welche Ergebnisse und Auswirkungen es zu Tage bringt:
„Die Mehrheitsgesellschaft und die muslimischen Migranten in Deutschland leben zu sehr getrennt voneinander. Die Unkenntnis beider Seiten, die daraus resultierend vorherrscht nährt den Boden für Vorurteile. Um diese abbauen zu können bedarf es der Toleranz gegenüber anders Denkenden. Und Toleranz entwickelt sich vor allem im Dialog.“ Mit dieser Aussage trifft der Vorstandsvorsitzende von Süddialog e.V. Salih Karakum den Nagel auf den Kopf. So ist es auch beachtlich und eindrucksvoll in einer Zeit in der die Diskussionen zum Thema Integration kontroverser denn je geführt werden mit Abraham, dem Urvater aller 3 Weltreligionen als Ausgangspunkt und damit Symbol der Eintracht in den universellen Grundwerten der Menschheit, aber auch der Migration mit einer solchen Organisation die verantwortungsvolle Rolle als Brücke zwischen der deutschen Gesellschaft und den Migranten zu fungieren und eine Plattform von hohem intellektuellen Niveau darzubieten. Hierzu der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Oettinger in seiner zum Symposium verfassten Dankesrede, die verlesen wurde weil er persönlich nicht teilnehmen konnte: “ Längst gehören die….600 Tsd. Menschen mit muslimischem Hintergrund zu unserem Land. Immer mehr von ihnen sind keinesfalls nur „Gäste“, sondern Bürger…In Dialog und Begegnung liegen Chancen für alle Beteiligten. Den Hauptveranstaltern von „Süddialog e.V.“ und dem Kooperationspartner „Stiftung Weltethos“ bin ich deshalb dankbar dafür, dass Sie in ihrem Symposium Christen, Muslime, Juden, Anders- und Nichtglaubende miteinander ins Gespräch bringen. …Unser bester Beitrag zu Dialog, Demokratie, Frieden und Entwicklung auf der Welt besteht darin diese Werte bei uns selbst einzulösen und vorzuleben“ In diesem Punkt sind sich der Süddialog mit dem designierten EU Kommissar ganz besonders einig.
Der Vortrag des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer machte besonders deutlich, dass das Symposium ein Musterbeispiel für gelungene Dialog-Arbeit von Muslimen darstellt und mit sichtbarem und großartigem Erfolg belegt ist. Palmer war glücklich, dass er zum ersten Mal zu einem solchen von Muslimen organisierten Programm eingeladen wurde. Er betonte, dass dieses Zusammenfinden in Tübingen, in der die Gedanken um den interreligiösen Dialog ihren Anfang gefunden haben und sich um die gleichermaßen hoch angesehenen Grundwerte die sich in Abraham vereinen von großer Bedeutung sei.
Gehen wir nun über zu der Frage, die wir im 1. Abschnitt gestellt hatten: wie wichtig sind solche Organisationen im Namen des Dialogs und welche Ergebnisse und Auswirkungen bringen sie zu Tage?
Aus den Beiträgen der Religionswissenschaftler im Symposium erfahren wir, dass sich der Prophet Abraham zu keiner Zeit dauerhaft an einem Ort aufhielt, sondern von zu Kontinent zu Kontinent in die unterschiedlichsten Länder zog und so ein Nomadenleben lebte. Somit war Abraham immer ein Gast bzw. ein Migrant nach heutiger Bezeichnung. Wenn wir nun aus dieser Betrachtung heraus die Botschaft Abrahams Symbol der Gastfreundschaft und der Migration-für die Welt von damals in die Gegenwart projizieren kann man sie wie folgt auffassen: trotz unterschiedlicher Herkunft, Religion und unterschiedlichen Lebensauffassungen leben wir in ein und derselben Gesellschaft! Wir alle sind die Nachkommen Abrahams und haben eine gemeinsame Zukunft. Und nur gemeinsam können wir diese Zukunft gestalten.
Hinzu kommt, dass sich in den Aufnahmeländern die Realität der Migration gemeinsam mit den Auswirkungen der Auswanderungen und der fortschreitenden Globalisierung der Welt immer mehr bemerkbar machen. Die Welt und hier die westlichen Nationen im Besonderen bemühen sich um klarere Definitionen in den Fragen zur Auswanderung und Integration. Und genau an diesem Punkt erhält der Begriff „Gast“ eine besondere Bedeutung. Der Generalsekretär der Intercultural Dialogue Platform sowie Vizevorsitzender der Stiftung für Journalisten und Schriftsteller in der Türkei Cemal Usak brachte zum Ausdruck dass „In unserer Welt, in der das soziale Beziehungsgeflecht immer mehr ineinander greift und die Globalisierung in vollem Gange ist jährlich Millionen von Menschen vor allem aufgrund existenzieller Bedrohung oder aufgrund ihrer Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Bedingungen auswandern. Weiter machte Usak deutlich, dass die Gastfreundlichkeit eine vereinende und grundlegende Rolle spielt. „Die Verpflichtung zu den Grundlehren Abrahams wie Gastfreundschaft und der völligen Hingebung zu Gott sind es, die die Liebe, Frieden, gegenseitige Achtung und Toleranz gedeihen lassen… Der Weltfrieden hängt von dem Bewusstsein der Söhne Abrahams über ihre Pflichten ab.“
Prof. Dr. Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger Kollegs an der Universität Potsdam brachte den Lesern mit einigen Beispielen das Leben Abrahams näher. Dabei erwähnte er dass Abraham mit seiner Gastfreundschaft die Herzen der Menschen eroberte und als Beispiel für die heutige Menschheit dient. „ Ausgehend von der Realität Auswanderung ist ein Leben Miteinander in Harmonie ohne die Gastfreundschaft undenkbar. Der einzig richtige Weg für eine friedvolle Koexistenz ist die freundliche Aufnahme des Gastes und eine aufrichtige Zuwendung.
Prof. Dr. Karl Kuschel, stellvertretender Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung der Universität Tübingen und Vizepräsident der Stiftung Weltethos unterstrich in seiner Rede die Rolle Abrahams als Schlüsselfigur im Namen des Friedens. Weiter stellte er fest, dass dieses von Muslimen organisierte Symposium und die Verkündung der universellen Botschaft Abrahams die Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen und Religionen zusammengebracht hat.
In diesem Symposium, welches die Gelehrten aus ganz Deutschland zusammengebracht hat wurden wichtige Thesen aufgestellt:
- Mit Dialog-Programmen dieser Art sind junge Muslime Pioniere in Deutschland.
- In einer Zeit in der der Islam immerzu in Misskredit gebracht wird gewinnen derartige Bemühungen im Namen des Dialogs an Bedeutung.
- die Ängste die sich hinter den schweren Vorwürfen gegenüber dem Islam und den Muslimen verbergen und sich in der Schweiz und in Berlin offenbarten können im beiderseitigen Dialog beseitigt werden.
- Die Muslime in Deutschland sind ein unzertrennlicher Teil des Landes!
- Ein großer Teil der negativen Berichterstattung über Muslime in den deutschen Medien nährt die Entstehung von Vorurteilen. Diese ehrverletzenden Berichterstattungen beeinflussen die Haltung der deutschen Gesellschaft negativ. Der Weg zu einer friedvolleren Gesellschaft führt über mehr Verantwortung in den Medien. Beleidigende und verleumderische Berichterstattungen stehen nicht im Einklang mit der im Grundgesetz verankerten Pressefreiheit.
Es müssen weitere Veranstaltungen wie das Abrahamitische Symposium in Tübingen folgen. Süddialog geht hier mit gutem Beispiel voran. Und deshalb gebührt Ihnen Dank und Anerkennung. Darüber hinaus geht auch ein Dankeschön an Herrn Akif – e.V. von FID- Forum für Interkulturellen Dialog. Er stand den jungen Mitgliedern des Süddialog e.V. mit Rat und Tat an Ihrer Seite und hat Sie stets motiviert.
„Unsere Vergangenheit ist nicht dieselbe, unsere Zukunft jedoch schon“- welch ein passender Schluss- Ganz im Sinne von Süddialog!