Der biblische Urvater Abraham ist für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen eine zentrale Leitgestalt ihres Glaubens. Abraham verkörpert eine Verheißung und ein Vorbild. Seine Verheißung lautet, dass es lohnt, aus dem „Land des Gewohnten“ auszuziehen, eingefahrene Gleise zu verlassen und vorgefasste Meinungen und Vorurteile aufzugeben, um Neues zu wagen und zu leben. Abraham als Vorbild fordert Juden, Christen und Muslime dazu auf, als seine gemeinsamen Erben eine Kultur der Gastfreundschaft und des Respekts vor allen Menschen mit ihren unterschiedlichen geistigen und kulturellen Werten zu bezeugen und diese Kultur ihren Kindern zu vermitteln.
Es ist die feste Überzeugung des Veranstalters des zweiten „Abrahamitischen Symposiums“, dass es einen gemeinsamen Erziehungsauftrag aller drei Religionen gibt: Die Vermittlung der abrahamitischen Werte. In der Vermittlung dieser Werte, in der Bereitschaft, vorgefasste Meinungen und Vorurteile aufzugeben und allen Menschen mit Respekt vor ihren geistigen und kulturellen Werten zu begegnen, liegt der wesentliche Schlüssel für die in der jungsten Zeit diskutierte Frage nach dem künftigen Zusammenleben der unterschiedlichen Glaubensgruppen in unserer Gesellschaft. Dieser Weg des friedlichen Miteinanders braucht die Hilfe durch Bildung.
Das Abrahamitische Symposium beschäftigte sich deshalb mit zwei Schlüsselfragen: Welche religiösen Erziehungskonzepte finden in der Postmoderne noch Anwendung? Und: Existieren überhaupt „Abrahamische“ Werte? Werden durch die Berufung auf Abraham „Nicht-Glaubende“ ausgeschlossen? Können Rahmenbedingungen für eine integrative Pädagogik abgeleitet werden? Gibt es auf diesen Grundlagen basierende erfolgreiche Praxisprojekte?
Antworten auf diese Fragen erhofften sich der Veranstalter des Symposiums der Verein Süddialog e.V. aus Tübingen gemeinsam mit den weiteren Kooperationspartnern zu denen das Zentrum für interkulturelle Kommunikation in Heidelberg, die Stiftung Weltethos aus Tübingen, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gehören, von den renommierten Referentinnen und Referenten aus Religion, Wissenschaft und Praxis, die ihre Ansichten vorstellen und zur Diskussion stellen werden.
Das Programmheft können Sie hier downloaden: Programmheft
Am 9. Dezember 2010 fand unter der Überschrift „Bildung und Erziehung im Lichte Abrahams“ in der Tübinger Eberhard-Karls-Universität das in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Zentrum für interkulturelle Kommunikation, der Tübinger Stiftung Weltethos und der baden-württembergischen Landeszentrale für politische Bildung ausgerichtete zweite „Abrahamitische Symposium“ des Tübinger Vereins Süddialog e.V. statt. Auf der Tagesordnung standen Vorträge und Podiumsdiskussionen zu der Frage, wie eine abrahamitische Kultur der Bildung und Erziehung konkret aussehen kann, und was eine auf ihr begründete Pädagogik zur vorschulischen und schulischen Bildung und Erziehung der in Deutschland lebenden Menschen beitragen kann. Außerdem wurden auf dem Symposium die Erfahrungen aus einer Reihe interkultureller Bildungsprojekte vorgestellt. Dem Süddialog war es wie im Vorjahr wieder gelungen, für sein Symposium renommierte Pädagogen, Theologen und Psychologen zu verpflichten. Zu den Referentinnen und Referenten zählten unter anderem die Tübinger Professorinnen und Professoren Karin Amos, Bernd Engler, Karl-Josef Kuschel und Friedrich Schweitzer, der Baseler Professor Alfred Bodenheimer sowie Dr. Cenap Aydin vom Istituto Tevere in Rom und der Diplom-Psychologen Wolfgang Wagner von der Evangelischen Akademie Bad Boll.
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